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Nostalgie pur - (Freebook Hey, Puppe! online)

Das Dachbodenfundstück

Es war einmal eine 7. oder 8. Klässlerin, die wahnsinnig gerne in den Handarbeitsunterricht ging. Damals, in den tiefen 80ern, war Handarbeit noch eine reine Mädchensache. Und auch wenn wir nicht mehr mit Puppen spielten, so stand eines Tages trotzdem das Nähen einer Puppe auf dem Programm. Als 14-jährige hat mich das so begeistert, dass ich quasi über Nacht zur Puppenmacherin wurde.

Handarbeit bis ins Detail

Durch einen Tipp aus meinem Probenäh-Team habe ich sie wieder gefunden, die Masken, und Sets, die wir damals verwendeten. Schaut mal hier: Glorex of Switzerland. Man kann sie immer noch genau so kaufen wie damals im Fachgeschäft bei uns auf dem Dorf. Verrückt, nicht?

 

Erst musste man den Modl aus der PET-Platte herausschneiden, möglichst so, dass keine scharfen Kanten entstanden. Das wurde dann noch abgeschliffen, damit sicher alle Überstände beseitigt waren. Gemäss Schnittmuster wurde der Kopf zugeschnitten und dann mit einem speziellen Kleber, den man vorher schön gleichmässig auf dem Gesicht verteilen musste, genau im Maschenlauf des hautfarbenen Jerseys auf das Gesicht geklebt. Und wehe, man hatte in einer Einbuchtung zu viel Kleber, dann war das nachher für immer auf dem Gesicht sichtbar. Also musste man in mehreren Etappen besonders vorsichtig arbeiten.

 

Danach ging es an das Malen der Augen, Augenbrauen, Nasenlöcher und Mund... ev. etwas rötliche Wangen und "Märzetüpfli" (Sommersprossen). Man musst schon besonders acht geben, dass die arme Puppe am Ende nicht schielte oder schiefe Augenbrauen hatte. Mit ganz feinen Pinseln und ruhiger Hand wurde da gearbeitet.

Glorex Stoffpuppe (45cm) aus den 80er Jahren mit dem neuen "Hey, Puppe!"-Strampler
Glorex Stoffpuppe (45cm) aus den 80er Jahren mit dem neuen "Hey, Puppe!"-Strampler

Kopf und Körper

Danach den Kopf in der hinteren Mitte mit Matratzenstichen zusammennähen und mit Stopfwatte füllen. Und zwar ziemlich fest. Das war mir bei meiner ersten (siehe Bild oben) noch nicht so gut gelungen, darum wackelt sie auch heute noch ziemlich stark mit dem Kopf.

 

Körper, Arme und Beine konnte man einfach auf den Jersey übertragen und danach mit einem feinen Zickzack der Linie entlang nähen und erst dann ausschneiden, ausstopfen und zusammennähen. Hier musste man besonders darauf achten, dass sich keine Watte-Klümpchen bildeten und der Körper nicht zu starr aber auch nicht zu pampig wurde.

 

Den Kopf musste man ebenfalls von Hand dann auf den Körper nähen. Ein bisschen creepy mit Frankenstein-Feeling ist das rückblickend schon, oder? ;-) Am Ende noch eine schöne Kunsthaarperücke drauf und dann ging's ans Klamotten nähen. Während meine erste Puppe noch ein klassisches "Dirndl" genäht bekam, habe ich den späteren dann jeweils Jeans und Pulli genäht (oder gestrickt...).

 

Und stellt euch vor, genau so habe ich sie vor ein paar Jahren beim ausräumen unseres Elternhauses in meinem alten Kinderzimmer gefunden. Meine Eltern hatten es offenbar auch nicht übers Herz gebracht, sie in den vielen Jahren, in denen ich längst nicht mehr zu Hause wohnte, zu entsorgen. Und da ich inzwischen eine kleine Tochter hatte, nahm ich sie mit nach Hause. Vielleicht würde sie die Arbeit irgendwann bewundern.

Das Gruppenbild

Nach nunmehr fast 3 weiteren Jahren bei uns im Keller - die Damen waren bei mir wieder in Vergessenheit geraten -  hatte ich vor ein paar Tagen, als ich die letzten Modelle für das Freebook fotografieren wollte - DEN Geistesblitz! Die Puppen sind mit 30 und 45cm ja perfekt für die Kleidchen. OK, sie sind schmaler als die meisten klassischen "Baby-Puppen", die man heutzutage kaufen kann, aber die Länge passte.

 

So sieht es auf den Bildern vielleicht etwas gross aus. Das hängt aber mit den damals schon mageren Models zusammen. 😜 Den etwas behäbigeren Puppen passen die Kleidchen perfekt. (Unten: die dicke Berta. 😄)

 

Auf den Bildern dazugestellt hab' ich für noch ein bisschen mehr Nostalgie: den ebenfalls im Handarbeitsunterricht geflochtenen Stubenwagen aus Peddigrohr mit - wie könnte es anders sein - selbst genähter Ausstattung. Und ein weiteres besonderes Fundstück: Rehlein und Bambi aus Feincord - genäht von meiner Mama. Damals. Als ich noch klein war...

Hier gehts zum Freebook

Ich finde, die Puppen haben sich über die Jahre extrem gut gehalten, nicht? Nicht eine Falte. 😂 Weiter unten findet ihr noch mehr Bilder und auch ein paar Nahaufnahmen.

 

Das Freebook "Hey, Puppe!" besteht nun also aus drei Teilen. Ihr könnt es hier herunterladen:

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Jetzt wünsche ich euch eine wundervolle Adventszeit mit vielen glänzenden Kinderaugen!

 

Herzlich,

Denise

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Kommentare: 1
  • #1

    Rita Schwarz (Freitag, 30 November 2018 23:09)

    Dein Beitrag ist so hinreißend und die Puppen sind zum Verlieben! Danke, dass du das mit uns teilst�. Und dass du uns dazu das Freebook zur Verfügung stellst, macht mich ganz glücklich.
    Ich wünsche mir, dass es mir möglich ist, mit deinen Schnittmustern auch die Puppen meiner Enkelkinder zu benähen und sie sich vielleicht irgendeines fernen Tages mit so viel Liebe, wie du sie durch deinen Beitrag zum Ausdruck gebracht hast, ebenfalls erinnern mögen an den Moment, als sie von ihrer Oma die neue Ausstattung ihrer Puppenkinder erhalten haben.
    Also noch einmal vielen Dank und dir eine schöne, besinnliche Weihnachtszeit!