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Tencel Linen Slub - was neues für dein Stofflexikon...

... und deinen Kleiderschrank. 

* Beitrag enthält Werbung aber keine Affiliate-Links * Der Stoff für das Designbeispiel wurde mir teilweise zur Verfügung gestellt *

Neuartige Produktionsverfahren führen zu immer neuen Stofffaser-Möglichkeiten und somit zu Stoffen, die es noch vor kurzem gar nicht gab. Die Lyocell-Faser ist so eine. Unter dem Markennamen "Tencel" gibt es sie seit einiger Zeit. Es handelt sich dabei um eine aus nachhaltiger Eukalyptus-Forstwirtschaft gewonnene Naturfaser mit ausgezeichneter Ökobilanz. Das ungiftige Lösungsmittel und andere Rückstände aus dem Produktionsprozess können zu fast 100% recycelt werden.

 

Wichtig zu wissen ist auch, dass Eukalyptus - im Gegensatz zu düngungs- und bewässerungsintensiver Baumwolle - quasi wartungsfrei wächst. Die Eukalyptus-Öle wirken dabei wie ein pflanzeneigenes Schädlingsbekämpfungsmittel und so kommt die Aufforstung von Eukalyptus auch ohne Pestizide aus. Sozusagen von Natur aus Schadstofffrei. 👍

Lyocell in der Verarbeitung ergibt...

Die als Garn verarbeiteten Lyocell-Fasern ergeben ein fliessendes Gewebe mit seidiger Oberfläche. Gepaart mit 20% Leinen - wie in diesem Design-Beispiel verarbeitet - bekommt der Stoff etwas mehr Stand und anschmiegsame Trageeigenschaften. Der Stoff ist atmungsaktiv und nimmt deutlich mehr Feuchtigkeit auf als zum Beispiel Baumwolle.

 

Durch die unregelmässig dicken Garne, die hier verwoben werden - was dem Stoff die Bezeichnung "Slub" einbringt - wirkt die Oberfläche zudem ebenfalls unregelmässig und bekommt einen leichten Used-Look.

 

Da der Leinenanteil bei 20% liegt, knittert der Stoff zwar ein wenig, aber natürlich nicht so stark wie reines Leinen. Zudem legen sich die Falten mit der Zeit auch wieder - Tencel sei Dank.

Patternhack at its Best

Du hast ein kleines Déjà-vu, wenn du meinen Overall anschaust, kommst aber nicht dahinter? Du liegst ein bisschen richtig... Genäht habe ich erneut ein "Kielo Wrap Dings" von Named Clothing. Du erinnerst dich? Hier hast du es schon mal gesehen...

 

Nach der positiven Erfahrung mit dem Kleid kam mir die Idee, dass das Schnittmuster auch als Overall (oder neudeutsch: Jumpsuit) funktionieren müsste. Und da ich wusste, dass dieser Tencel Linen Slub von Meet Milk genau der richtige Stoff dafür sein würde, hab' ich das Projekt asap in die Tat umgesetzt. Hello Heidi Fabrics war so spontan und hat mir für meine Idee einen Teil des Stoffes zur Verfügung gestellt.

 

Die Schnitteile für das Kielo sind relativ übersichtlich. Neben dem Bindeband gibt's da nur das Vorder- und Rückenteil, wobei das Vorderteil im Bruch zugeschnitten wird. Das muss für eine Hose natürlich in zwei Teilen zugeschnitten werden. Da ich aber im Vorderteil keine Naht bis unters Kinn haben wollte, habe ich das Vorderteil kurzerhand bei der Taillen-Linie durchgeschnitten. Diese Naht wird nämlich beim Binden unsichtbar.

 

Danach habe ich mich ans Zeichnen der Hose gemacht und dafür ein Stück Schnittmusterpapier an beide geraden Kanten (Fadenlauf) der Schnittteile geklebt. "Quick und Dirty", wie ich gerne arbeite, habe ich von einer mir passenden Hose den Leib-Bereich auf die Schnittmuster-Kante gelegt und mal "ungefähr" nachgezeichnet, wo der Schritt zu liegen kommen müsste und wie der aussehen sollte. Danach habe ich die totale Länge vom Rückenausschnitt bis zum vorderen Ausschnitt gemessen und mal geprüft, ob das "untendurch" so passt (so 5-7cm mehr sollten es da schon sein - gerade bei Webware). Tat es natürlich nicht auf Anhieb, deshalb hab' ich das noch etwas korrigiert (so, dass auch die Innenbeinlänge stimmte) und als ich mir sicher war, das Schnittmusterteil fertig ausgeschnitten.

 

Meine Beschreibung richtet sich an geübte Näherinnen mit Erfahrung. Anfängerinnen sollten sich für solch umfangreichen Anpassungen von einer Fachperson helfen lassen.

Vorgehen beim Nähen

Da man einen Overall - der zudem aus nicht dehnbarem Stoff genäht ist - nicht wie ein Kleid einfach über den Kopf ziehen kann, habe ich in die hintere Leibnaht einen nahtverdeckten Reissverschluss von 50cm Länge eingenäht. Je nach Technik (da findet Google bestimmt mehrere...) machst du das vor dem Schliessen der Leibnaht oder danach. Ich habe es danach und mit Stylefix gemacht, weil sich so nichts verschiebt und genau klar ist, bis wohin der Reissverschluss verläuft. Diese Methode empfiehlt sich auch, wenn du Stoffe verarbeitest, deren Muster aufeinanderpassen sollte (Stichwort: Streifen). Bei Jersey oder anderen sehr elastischen Stoffen würde ich den Halsausschnitt so anpassen, dass im Rücken und/oder vorne ein kleiner Tropfen genügt um mit dem Becken durch zu kommen um einen Reissverschluss zu vermeiden.

 

Danach die vordere Leibnaht schliessen und absteppen. Dann ans vorher abgetrennte Oberteil (Achtung Nahtzugabe!) nähen. Nun kannst du das Kielo wie in der Beschreibung von Named fertig nähen, einfach zusätzlich noch die innere Beinnaht schliessen. Ich habe die Hosenbeine am Saum beim Zuschnitt spontan noch etwas abgerundet und an den Seiten etwas offen gelassen für einen sommerlichen Effekt.

Wo gibt's den stoff? Und wo den Schnitt?

Du hast Lust bekommen, den Stoff auszuprobieren? Du hast Glück. Die Heidis feiern aktuell eine "Meet Milk Woche" und bieten den Tencel Linen Slub mit 15% Rabatt an. Hier geht's direkt zu den Stoffen: Tencel Linen Slub. Auch alle anderen Meet Milk Stoffe sind 15% reduziert.

 

Der Original Schnitt für das "Kielo Wrap Dress" ist von Named Clothing. Du kannst ihn hier als PDF oder Papierschnitt mit Anleitung in Englisch oder Finnisch bestellen. Es gibt auch lange Ärmel dazu. Die Kappärmel sind von mir.

 

Und jetzt kommt's. Ich war nicht die erste mit der Idee aus dem Kielo einen Overall zu machen. Bei den Recherchen zu diesem Artikel fand ich den Blog von Katja aus Finnland. Sie hat vor ziemlich genau einem Jahr ein Tutorial publiziert, das ich euch nun natürlich nicht vorenthalten möchte. Sie ist ganz ähnlich vorgegangen wie ich, hat den Jumpsuit aber mit einem Viskosejersey genäht. Wer sich also überlegt, auch einen Kielo Wrap Jumpsuit zu nähen, darf sich bei "With my hands dream" gerne zusätzlich informieren.

 

Herzlich,

Denise

 

Backlinks: HOT - Handmade on Tuesday, Creadienstag, TheCreativeLovers,

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Kommentare: 5
  • #1

    Tina (Montag, 15 Juli 2019 22:19)

    Einfach großartig!
    Ich habe am Wochenende bereits mein 3. Kleid genäht - aber jetzt hab ich auch richtig Lust bekommen, einen Jumpsuite zu wagen!
    Ich hätte nur eine Frage - wie viel größer hast du denn genäht bei Webware? Oder hast du anders angepasst?
    vielen Dank und LG
    Tina

  • #2

    Denise (Dienstag, 16 Juli 2019 00:25)

    Liebe Tina
    Dann bist du ja mindestens so süchtig nach dem Schnitt wie ich. ;-)

    Ich habe gar nicht grösser genäht als bei Maschenware. Da ich von meinem Kleid her wusste, dass Rücken und Brust gut sitzen, habe ich es direkt ohne weiteren Anpassungen gewagt. Das Kleid war ja aus Viskose ohne Elasthan.

    Bin gespannt auf deine Version.

    Liebe Grüsse
    Denise

  • #3

    Eveline (Mittwoch, 17 Juli 2019 22:50)

    Der Jumpsuit steht dir sagenhaft gut! Mir scheint, das ist DAS Kleidungsstück für dich! Und in Schwarz wirkt er so was von chic und elegant. Damit hattest du eine 1A Idee!
    Grüessli
    Eveline

  • #4

    Denise (Freitag, 19 Juli 2019 10:04)

    Liebe Eveline
    Danke für deine lieben Worte. Du hast recht, ich glaube, das ist wirklich DAS Kleidungsstück für mich. Und das schlichte schwarz hat mich auch überzeugt. Ich dachte immer, das wirkt zu hart zu meinem eher blassen Teint. Ich muss dir aber was gestehen... ich hab' mir am Dienstag noch einen genäht... diesmal aus nachtblauem Viskosejersey...
    Grüessli
    Denise

  • #5

    Fiene (Freitag, 26 Juli 2019 08:32)

    Dein Kielo-Hack ist sehr schön gelungen. In Verbindung mit dem dunklen Tencel finde ich den Jumpsuit sehr stylisch! Liebe Grüße, Fiene