· 

Wenn's passt - dann passt's

Es ist wieder passiert. Schon öfter habe ich erst nach dem Nähen einiger Stücke festgestellt, dass irgendwie alles zusammenpasst, dass eine richtige Kollektion entstanden ist, ohne dass das ursprünglich so geplant war. So ging es mir auch bei diesem Outfit, bei dem ich eine High-Waist-Plissée-Hose kombiniere mit einem schlichten (Kauf-)Shirt, einem Kurzpulli und meiner neuen Blingbling-Jacke. Doch der Reihe nach...

12 Kleidungsstücke für mich und meine Tochter, die sich wunderbar kombinieren lassen.
12 Kleidungsstücke für mich und meine Tochter, die sich wunderbar kombinieren lassen.

Die Stoffe

Eigentlich fing mal wieder alles an mit der Kollektion von See you at Six, von der ich bei Kreando ja schon regelmässig immer mehrere Meter ordere. Das Warmweiss des Sommersweat mit den Schwänen, ein paar kühle dunklere Blautöne und zartes rosa, das sich wunderbar mit Kupfer verbinden lässt.

 

Dazu kam dann, dass Bettina von Hello Heidi Fabrics in unserer Klara-Gruppe den wunderschönen Plissée präsentierte. Keine Ziehharmonika, kein billiger Glanz. Schöner Satin-Schimmer und leichte, nicht zu strenge Falten. Und das in 4 wunderschönen Farbtönen von grau bis blau. (Inzwischen haben sich in die Palette noch schwarz und burgundy eingefügt.) Klar, dass ich davon auch was bestellen musste nur war mir nicht von Anfang an klar, was ich daraus nähen würde. Ein Maxi-Rock fehlt mir jetzt nicht grad in der Garderobe und erstmal waren sowieso Sommerferien angesagt. Immer ein guter Moment um mal zu reflektieren, was aus Meterware so alles entstehen könnte...

 

Bereits im Juni hatte ich für die Miss aus dem Folien-Stoff von Stoff & Stil eine Blingbling-Jacke (siehe Blogartikel) genäht - die sie in Ermangelung an kühlen Tagen über die Sommerferien zugegebenermassen noch nicht oft tragen konnte, aber die Jackenzeit kommt ja bestimmt bald wieder... Den Folienstoff gab es in 3 Farben und natürlich hatte ich sie alle bestellt, weil das "habenmuss"-Gen einfach durchgeschlagen hatte, ohne dass ich gewusst hätte, was einmal daraus werden würde. Und so war nach der Jacke für die Miss in den anderen Farben natürlich noch genügend Stoff übrig für mich. Was für ein schöner Zufall. 😁 

Der Pulli

Mein persönlicher Favorit für Sweatshirts und Pullis aller Art ist momentan die Señora Nuba. Ich mag den Schnitt, weil er leger ist. Er ist schlicht und doch raffiniert. Mein Geschmack ob mit oder ohne Kapuze schwankt dabei. Und so entstand das eBook Señora Nuba ursprünglich ohne Kapuze. Jene von meinem Schnitt Rag'n'Bone passt aber hervorragend und so habe ich das Kapuzen-Schnittteil für diesen Pulli verwendet. (Das Schnittteil genau so zuschneiden und die vorderen 3cm dann zum Tunnel umlegen und festnähen, danach an den Halsausschnitt nähen.)

 

Eigentlich ist Señora Nuba ein bisschen "Fokuhila" geschnitten. Weil ich aber wie bei meinem Strickpulli (siehe Facebook-Beitrag), im Saum wieder eine Flachkordel einziehen wollte, habe ich das Fokuhila auf die seitliche Länge begradigt. Das ist keine Hexerei. Einfach beim Vorderteil gerade statt im Bogen schneiden und beim Rückenteil den hinteren Bogen bis zur seitlichen Länge nach oben falten und ebenfalls gerade zuschneiden. Für den Tunnel 3cm an Länge zugeben beim Zuschnitt und das war's.

 

Ich habe hier übrigens keine Ösen eingeschlagen um die Flachkordel durchzuziehen bei Kapuze und Saum, sondern auf beiden Seiten jeweils längere Knopflöcher in einer Kontrastfarbe gesetzt. Das ist etwas dezenter als Ösen.

Doppelshooting mit Evelina - AKA "Fräulein Tilia"
Doppelshooting mit Evelina - AKA "Fräulein Tilia"

Die Hose(N)

Wie Sie sehen, sehen Sie doppelt. 😁  Neben mir steht Eveline von Tilia Patterns. Sie ist eine Klara-Freundin von mir und als wir uns beide für Plissée-Hosen entschieden haben, war klar, dass wir uns auch zum Fotoshooting unbedingt treffen müssen. Schliesslich wohnen wir ja gar nicht so weit auseinander. Und es hat tatsächlich geklappt. In der ersten Schulwoche zwischen Kinder zum richtigen Termin zur richtigen Zeit lotsen, Ehemänner rechtzeitig heim beordern und Elternabend am BIZ hatten wir ein perfektes Zeitfenster gefunden. Man muss nur wollen. 😃

 

Genäht haben wir zwar beide eine Hose, aber der Schnitt ist nicht der gleiche. Während ich mich für eine High-Waist-Variante entschieden habe, trägt Eveline ihren Bund auf mittlerer Höhe. Hier sieht man schön, was für ein unterschiedlicher Effekt daraus entstehen kann.

 

Bei meiner Hose habe ich einen Schnitt verwendet, den ich mal für mich für "schnelle Hosen" gezeichnet habe, in einer schmalen-, einer tappered-, einer chill- und einer loosefit-Variante. Die Hose hat seitlich keine Naht, was für die Verarbeitung des Plissées von Vorteil war. Und wie kommt ihr jetzt zu so einem Schnitt? Das ist wahrlich auch keine Hexerei.

  • Man nehme: ein Leggins-Schnittmuster und schneide es genau der seitlichen Mitte nach schnurgerade auseinander.
  • Die beiden Schnittteile legst du nun ca. 10cm voneinander entfernt parallel auf den Stoff.
  • Nun musst du nur noch das Innenbein begradigen. Miss dafür an deinem Knöchel aus, wie weit du die Hose gerne hättest. Dann misst du aus, was deine verbreiterte Leggins unten am Saum nun für ein Mass hat. Die Differenz verteilst du auf beiden Seiten des Schnittes und ziehst die Linie gerade am Innenbein hoch, bis du auf die bestehende Schnittlinie kommst. Leicht angleichen und schon hast du deinen geraden, lockeren Hosenschnitt.
  • Für Highwaist ziehst du die Bundhöhe noch etwas nach oben. Miss dazu vom Kreuz bis zum Bauchnabel die Länge aus. Und zwar schön locker unten durch, wie die Hose dann auch sitzen soll. Dann misst du am Schnittmuster die hintere und vordere Mitte aus und zählst die beiden Masse zusammen. Das Resultat ziehst du von deiner Messung von Kreuz bis Bauchnabel ab und verteilst die Differenz wiederum zu gleichen Teilen auf Vorder- und Rückseite. Von der hinteren zur vorderen Mitte zeichnest du die Schnittlinie parallel zum bestehenden Schnittmuster. 

Eveline erklärt dir in ihrem Blog, welchen Schnitt sie verwendet hat. Es lohnt sich auf jeden Fall bei ihr vorbeizuschauen. Sie ist ebenfalls Schnitt-Designerin und hat schon zwei wirklich tolle und gut erklärte eBooks herausgebracht. Das Shooting mit ihr hat irre Spass gemacht und die paar fragenden Blicke von Passanten haben wir einfach weggelächelt. 😉

Die Blingbling-Nuba

So richtig komplett wird im Herbst ein Outfit ja erst mit der passenden Jacke. Wie oben bereits angetönt, habe ich aus den glänzenden Folienstoffen auch für mich noch eine Blingbling-Jacke genäht. Sie hält morgens auf dem Fahrrad den Wind wunderbar ab und leistet so also bereits jetzt tolle Dienste.

 

Der Schnitt ist hier ebenfalls eine Señora Nuba. Einfach mit geteiltem Vorderteil. Und natürlich Teilungen an Schulter, Vorder- und Rückenteil sowie Ärmeln. Das ist alles "on the go" freestylemässig mit Masstab und Augenmass entstanden. Ich kann eigentlich nur soweit erklären, dass ich den Schnitt original belassen habe, aber vor dem Zuschnitt den Ärmel an den Armausschnitt angelegt und mir die Streifen eingezeichnet habe. Das gleiche natürlich auch an Vorder- und Rückenteil auf Brusthöhe. Achtung, es lohnt sich, die zugeschnittenen Teile kurz mit einem Zeichen zu kennzeichnen, weil man bei so vielen Teilen leicht durcheinander gerät. 

 

Als nächstes habe ich die hellen Ärmelteile an die entsprechenden hellen Armausschnitte von Vorder- und Rückenteil genäht. Danach die Streifen den ganzen Schulter- und Ärmelbereich entlang zusammengenäht, die Nahtzugaben umgeklappt und knappkantig abgesteppt. Das war eine ziemliche Arbeit, aber ich finde, es ist einfach toll geworden.

 

Für das Futter habe ich einen Polyester-Mesh-Stoff verwendet. So einer, der auch gerne bei leichten Sport-Shirts zum Einsatz kommt. Einfach alle Schnittteile mit diesem Stoff nocheinmal zuschneiden und mit dem Aussenstoff verstürzen. Weil der Folienstoff für das Bündchen am Saum eigentlich nicht mehr reichte, musste ich mir etwas einfallen lassen. Ich hatte einfach nicht mehr genug Stoff. Weder für das Schnittteil im Bruch noch einzeln zum zusammennähen. Also habe ich die Innenseite des Bundes mit dem selben Bündchenstoff wie den College-Kragen gemacht. Zusätzlich ein Gummiband eingezogen und in der Mitte gerade abgesteppt, damit dieses sich nicht dreht oder knickt.

Perfekt gegen Fahrtwind bevor der Herbst kommt: die Jacke übers T-Shirt.
Perfekt gegen Fahrtwind bevor der Herbst kommt: die Jacke übers T-Shirt.

Der Herbst kann kommen

Auch wenn der Sommer mit Abstand meine Lieblingsjahreszeit ist, so bin ich nun - mindestens was meine Garderobe betrifft - parat für den Herbst, wie folgende Bilderflut beweist.

 

Und was habt ihr schon so genäht für die kommende Jahreszeit? Postet mir doch den Link in die Kommentare. Ich bin gespannt.

 

Herzlich,

Denise

 

Backlinks: Du für dich am Donnerstag