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Wie man Polster-Velours auch noch verwenden kann...

Ja, so ist es. Der Stoff ist eigentlich für Möbel gedacht. Oder für Taschen, Necessaires, Accessoires. Aber ich hatte Bock auf was ganz anderes. Ich wollte mir einen crazy Blazer nähen. Mal eine Herausforderung der anderen Art.

 

Da ich gegenüber letztem Jahr etwas schmaler geworden bin, also so ca. 3 Konfektionsgrössen, hätte ich mir auch das Jasika-Schnittmuster vom letzten Jahr neu ausdrucken müssen. Meine Freundin Neri vom Schlossatelier Hegi war aber grade dabei, einen neuen Schnitt auszuprobieren, der mir ebenfalls gefiel. Etwas taillierter als Jasika und etwas kürzer, vom Stil her. Den wollte ich auch ausprobieren und so meldete ich mich bei ihr an fürs gemeinsame Nähen an einem Friday Night Stitch.

Blazer von Zwischenmass

Schönen Polsterstoff findet man in kleiner Auswahl bei Kreando oder natürlich beim Polstermacher. Da kann man tolle Musterbücher durchschauen und sich inspirieren lassen.

 

Das Label "Zwischenmass" war mir vorher nicht bekannt, ich habe mich hier vollkommen auf Neris Gespür verlassen. Der Blazer 620502 ist klassisch tailliert geschnitten und man kann 2 Längen wählen. Ich habe mich für die ca. 15cm kürzere Variante mit Paspeltaschen entschieden. Für die Grössenfindung orientiert sich Zwischenmass an drei verschiedenen Körperhöhen und Umfangmassen. Da war die Grössenfindung relativ unproblematisch und ich habe die Grösse BU96 der mittleren Körperhöhe genäht. Nach ausmessen weiterer Referenzmasse, die im Schnittmuster enthalten sind, habe ich mich entschieden, die Ärmelweite noch um etwas mehr als eine Grösse zu verschmälern. Das war eine gute Entscheidung. Ansonsten habe ich ohne Veränderungen genäht.

 

Gefüttert ist der Blazer mit einem denkbar unaufgeregten Futterstoff in offwhite - man soll's ja nicht übertreiben. 😂

 

Nach ihrem Probestück berichtete Neri schon von der etwas abenteuerlichen Anleitung. In der Tat ist die auf dem Bogen aufgedruckte Kurzanleitung knapp gehalten, das Schnittmuster wird ja auch für fortgeschrittene Hobbynäherinnen angeboten. Es gibt zwar eine umfangreiche Beschreibung diverser Arbeitsschritte die mit dem Nähen eines Blazers zu tun haben, aber wenn man zum ersten Mal einen Blazer näht, würde ich davon abraten, den Schnitt ohne die Hilfe einer erfahrenen Person zu nähen. Ich habe mich nur von der Abfolge her an die Kurzanleitung gehalten, bin an einigen Stellen aber etwas abgewichen. Beispielweise habe ich den hinteren Schlitz nach der Anleitung des Jasika-Blazers genäht und vorgefertigte Schulterpolster und Ärmelfische verwendet. Durch meine Materialwahl war es nicht nötig, die Schnittteile zu verstärken, ich würde aber bei anderen Stoffen unbedingt dazu raten, sich diese aufwändige Arbeit nicht zu sparen.

 

Ich bin mit der Passform an sich sehr zufrieden. Ein weiteres Modell würde ich jedoch noch eine Grösse schmaler nähen.

Sportlich kombiniert mit "Have a nice Day" und Jeans

Zugegeben, ich hatte - ausser einer Jeans - nichts im Schrank, was auch nur ansatzweise mit dem Blazer kombinierbar gewesen wäre. Besonders farblich war bis auf schwarz eigentlich nichts dabei, was ich spontan dazu tragen würde. Nun ist das ja die kleinste Herausforderung, sich "schnell" was passendes zu nähen. Der angenehm weiche Modal-Jersey von Lenzing, den's bei Hello Heidi Fabrics gibt, wurde spontan zu einem "Have a nice Day" mit kleinem Wasserfall-Ausschnitt. Sehr angenehm zu tragen, auch ohne Blazer.

 

Das eBook gibt's hier:

eBook "Have a nice Day"
Es ist Zeit für eine etwas andere Art von Pulli. Have a nice Day ist anders. Kein Rolli, trotz Kragen, kein Hoodie, trotz Kapuze. Anschmiegsame Ärmel und Wasserfalleffekt im Dekolleté - kommt am schönsten mit weich fliessenden Stoffen wie Vi ... (mehr lesen)
CHF 9.90 CHF 4.95

Kombiniert mit einem Einteiler

Erinnert ihr euch an meinen schwarzen Scirocco-Overall von Deer & Doe? Da hat sich mit der Zeit rausgestellt, dass das Eigengewicht des Punto di Roma durch die Längsdehnbarkeit des Stoffes, eher als Nachteil erwiesen hat. Frisch gewaschen sitzt er nach wie vor super. Nach einigen Malen tragen, hängt er etwas durch. Zudem habe ich ihn nachträglich etwas einnehmen müssen, weil er mir doch etwas zu weit war. Die Herausforderung war also, mir einen weiteren Scirocco zu nähen, der sich nur in die Breite dehnt und das auch noch eine Grösse kleiner. Von der Cargo-Hose, die ich im Sommer für meinen Sohn genäht hatte, war mir noch in Erinnerung, dass der Twill von MeetMILK einen leichten Stretch aufweist. Also hab' ich mir den in dunkelgrün gleich bei Kreando bestellt.

 

Damit ich überhaupt eine Chance haben würde, das gute Stück über die Hüfte zu bekommen um es anzuziehen, habe ich einen ebenfalls dunkelgrünen 30cm langen Nahtverdeckten Reissverschluss eingenäht. Und ich kann nur sagen: jeder Zentimeter davon ist nötig. 😁

 

Das Schnittmuster brauchte - bis auf das kreuzende Band am Ausschnitt - keine Änderung. Dieses habe ich um ca. 20cm verlängert, damit ich es mit nur minimalem Zug annähen konnte. Das Ergebnis ist einfach toll geworden, nicht?

 

Jetzt habe ich also zwei Möglichkeiten, meinen knalligen Blazer auszuführen und nicht wirklich eine Möglichkeit dafür. Aber im Frühjahr... im Frühjahr wird alles besser...

 

Habt ein wunderbares Weihnachtsfest - allen Widrigkeiten zum Trotz - ich melde mich kurz vor Ende Jahr nochmal mit dem Jahresrückblick.

 

Herzlich,
Denise

 

 

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